Drummeli 2016 @ Barfi.ch vom 31.01.2016

2016 - «Drummeli 2016» @ Barfi.ch

Sonntag, 31 Januar 2016
Nathan Leuenberger
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Drummeli-Premiere: Das musikalische Highlight der Vorfasnacht

Das 1910 gegründete Drummeli, vormals Monster Trommelkonzert, ist und bleibt die wichtigste und älteste aller inzwischen zahllosen bedeutenden, bisweilen aber eher peinlichen Mitläufern, von Vorfasnachtsveranstaltung deren Mutter sie neidlos und bestritten ist. Wobei explizit das Charivari und ein in jeder Hinsicht bezauberndes Pfyfferli nicht zu den Letzteren gehört. Anfangs war das «Monstre-Trommelkonzert» eine pure musikalische Aufführung. Über die Jahre wurde die Musik von den Rahmenstücken als Gassenfeger abgelöst. Unter neuer Regie scheint es dieses Jahr aber wieder zurück zu den Anfängen zu gehen.

«Was geschieht mit Rahmenstücken, die es nicht in die fertige Produktion schaffen?» Mit dieser Frage beginnt das Drummeli 2016. Vier verlorene Gestalten treffen sich in einer Therapie-Stunde mit einem vom Comité-Abgeordneten Sozialarbeiter. Eine Person in der Gruppe dürfte den langjährigen Drummeli-Besuchern bestens bekannt sein: der Mann auf dem Balkon. Auch er wurde dieses Jahr aus dem Programm gestrichen. Damit ist er stellvertretend für so vieles, das sich geändert hat.

Musikalisches Fest für die Augen

Dass ein einfacher Vortrag von Fasnachtsmärschen an einer Vorfasnachtsveranstaltung nicht mehr reicht, gehört schon lange zum Status Quo. Wie bei ihren Sujets steckten die beteiligten Stammcliquen viel Zeit und Überlegung in ihre Auftritte. Die Grenzen der traditionellen Fasnachtsinstrumenten werden während der dreistündigen Vorstellung mehrmals getestet. Allen voran die «Rätz-Clique 1923», die mit einer Uraufführung von ihrem eigens fürs Drummeli arrangierten «Under em Rhy» aufwarten. Es ist eine Umschreibung des Disney-Liedes «Under the Sea» aus dem Film «Arielle, die Meerjungfrau». Und es funktioniert! Aufgrund der Première-Nervosität gab es zwar noch ein paar kleine Unsicherheiten, diese werden aber wohl nach ein bisschen Übung auch nicht mehr vorhanden sein.

Die Rootsheere mit Panflöten und Lama.
Die Rootsheere mit Panflöten und Lama.

Es wird oft experimentiert. Die «Basler Bebbi Basel» verbinden klassische Fasnachtsmärsche mit elektronischer Musik, die an Kraftwerk angelehnt ist. Mit zur Packung gehört eine futuristische 3D Bühnenshow, oder wie es die Bebbi nennen: «3B». Auch die «Rootsheere-Clique» holt sich für ihren Auftritt Verstärkung von einem anderen Instrument. Zusammen mit Panflöten entführen sie mit einem lateinamerikanischen Stück die Besucher in wärmere Gefilde. Am Schluss klingt das Potpurri der Traditionen doch sehr nach Basler Fasnacht.

Der Dupf-Club bei seinem Auftritt
Der Dupf-Club bei seinem Auftritt

Der «Dupf-Club Basel» tanzt mit seiner Performance wortwörtlich aus der Reihe. Unter dem Titel «Was für e Gfühl» wird ein doch sehr bekannter Hit aus den 80ern von Piccolos und einem Keyboard vorgetragen. Die Tambouren müssen sich währenddessen anderweitig beschäftigen… Kurz vor der Pause vermochten sie den Saal in Euphorie zu versetzen und in den letzten Sekunden wurde mehr gestanden als gesessen.

Das Highlight des ganzen Drummelis dürfte aber wohl die Aufführung der Trommel- und Pfeiferschule der «Naarebaschi Jungi Garde» sein. Rund 45 Binggis und Junge versammeln sich ganz in weiss auf der Bühne um «die Alte» zu spielen. Jedoch gibt es während des Stücks mehrere Überraschungen, bei denen Musikfans ein angenehmes Kribbeln verspüren. Die Leistung der ganz Jungen ist locker gleichzustellen der älteren Mitakteuren, wenn nicht sogar noch besser. In Worten ist der Auftritt schwierig zu beschreiben – man muss ihn einfach gesehen haben. Dementsprechend war auch der Applaus des Publikums sehr gross.

Guggemusig und Schnitzelbängg als Verschnaufer

Multimedial ist das Drummeli geworden. Die riesige Leinwand wird nahtlos in die Arrangements eingefügt – teils spielt sie eine sehr bedeutende Rolle. «Die Agfrässene 1952» lassen zum Beispiel während ihres Vortrags des Pfeifersolos «Papillon» Ausschnitte des gleichnamigen Films im Hintergrund laufen. In roten Sträflingsanzügen und umringt von militärischen Bewachern wirkt die Szenerie sehr ernst und düster. Grundsätzlich gut umgesetzt, jedoch ist der Zeitpunkt komisch gewählt. Kurz nachdem die Show an Drive gewonnen hat, bilden «die Agfrässene» den Start eines düstereren Blocks, welcher die Vorstellung ein wenig ausbremst.

Ebenfalls zu diesem Block gehört die erste Guggemusig: «Krach-Schnygge». Auch sie sind in Sträflingsanzügen auf der Bühne, dieses Mal im klassischen schwarz-weiss, und werden vom Bacchanal Chor Aesch verstärkt. Zusammen führen sie den Gefangenenchor aus der Oper «Nabucco» auf. Thematisch eine gute Idee, und auch sehr passend zum Musical Theater, jedoch übertönen die Blechbläser den Chor schnell, was den schönen Mix ein wenig einseitig gestaltet.

Die zweite Guggemusig im Programm präsentiert sich mit klassischer Schränzmusik. Die «Räpplischpalter» warten mit einer Hommage an Udo Jürgens und James Last auf. Zwischen den anspruchsvolleren Präsentationen der Cliquen bietet der Auftritt der «Räpplischpalter» eine angenehme Verschnaufpause zum mitklatschen.

D Dreydaagsfliege auf der grossen Bühne
D Dreydaagsfliege auf der grossen Bühne

Zwei Schnitzelbängg sind auf der Drummeli-Bühni vertreten: «Dreydaagsfliege» und «Schunggebegräbnis». Ersterer bot clevere Wortspiele, die sich durch die Verse zogen, und intelligente Pointen. Sie schlugen meist nicht sofort ein, man konnte jedoch noch ein paar Sekunden nach der Pointe verspätetes Lachen aus dem Publikum vernehmen. Sein «Baschi Dürr-Vers» dürfte sich allerdings als einer der besseren dieses Jahrgangs herausstellen. Das «Schunggebegräbnis» verbreitete mit ihrem Auftritt Gruselstimmung: mit Aufnahmen vom Hörnli bei Nacht und gut eingesetztem Trockeneis betraten sie die Bühne. Die Verse selber sind klassisch pointiert und kamen gut beim Publikum an. Für beide war es das erste Mal auf der grossen Bühne und man spürte vor allem bei der «Dreidaagsfliege» noch eine gewisse Nervosität.

Unsicherheiten beim Rahmenstück

Das Ensemble als gestrichene Rahmenstücke
Das Ensemble als gestrichene Rahmenstücke

Während es an den musikalischen Leistungen wenig bis gar nichts auszusetzen gibt, konnte das Rahmenstück das Publikum nicht überzeugen. Es ist nicht mehr viel übrig des klassischen Fasnachtshumors, der mit Pointen im Sekundentakt aufwartet. Vielmehr bekam man das Gefühl, dass das Drummeli beim Rahmenstück auf der Suche nach seiner neuen Identität ist. Mit zahlreicher Konkurrenz im Klamauk-Bereich, scheint das Drummeli nun in eine neue Richtung zu zielen. Das Ensemble besteht aus schauspielerisch sehr talentierten Personen, was auch immer wieder erkennbar ist.

Oftmals boten die Rahmenstücke nicht pure Komiknummern, sondern beschäftigten sich mit dem Weltgeschehen auf eine ernstere, teils poetische Weise. In einem Stück verirrt sich ein Kreuzritter aus der Vergangenheit in der heutigen Zeit. Sein Verlangen nach der Ausrottung der «Ungläubigen» und der Befreiung des Morgenlandes erinnert doch stark an die heutige Situation und dabei werden interessante Parallelen aufgezeigt. Die dabei eingefügten Witze wirken dann auf die Dauer doch eher gesucht, sogar repetitiv.

Der Kreuzritter
Der Kreuzritter

Allgemein scheinen die Rahmenstücke nicht ganz «fertig geschrieben» zu sein. Pointen wirken teils hektisch eingesetzt, um das klassische Drummeli-Publikum zu befriedigen. Darum tümpeln die schauspielerischen Teile irgendwo zwischen Theater und Comedy-Programm herum. Es würde dem Ensemble und dem neuen Regisseur, Laurent Gröflin, guttun, sich in Zukunft auf eines der Beiden zu fokussieren. Ein Drummeli mit einem soliden Theater-Rahmenstück würde für Alteingesessene zwar einen Bruch im Gewohnten darstellen, dem man vielleicht eine Chance geben müsste, jedoch würde es dem Drummeli besser kommen, als zu versuchen sich an den vergangenen Tagen zu orientieren.

Zu Beginn der zweiten Hälfte trifft sich die zu Beginn angesprochene Selbsthilfegruppe noch einmal. Der «Mann vom Balkon» redet sich dabei in eine Raserei und schiesst gleich selber gegen das «neue Drummeli». ‘Früher sei alles besser gewesen als das, was man heute biete’ erzählt er lauthals. Dabei erntet er mehrfach Applaus aus dem Publikum. Dem darf man aber guten Mutes widersprechen. Obwohl die Rahmenstücke allgemein schwächer ausfielen, dürfte daran noch etwas gefeilt werden. Das hat aber auch nach der noch so gelungene Premiere wie die obligaten Kürzungen alte Tradition.

Traditionelle Fasnachtsklänge bei den Pfluderi
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