P-27 @ Mittellandzeitung

2007 - Mittellandzeitung 16. April

Montag, 16 April 2007
Hans-Martin Jermann
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«Basel – dä Rap isch für di»

KUPPEL Die Basler Hip-Hop-Pioniere sind zurück: P-27 zelebrieren zusammen mit Black Tiger die «alte Schule». Ein rührendes, reichlich nostalgisches Comeback.

Darauf haben in der Kuppel alle gewartet: «Bulleschtress und Bürgerwehr, Lüt mit Hünd, bewaffnet mit Gwehr, dummi Type, die mache mi verruggt, die sölle mi in Rue loh, susch schloni zrugg.» Ja, spätpubertäre Pöbeleien sind das, aber nebenbei die berühmtesten Phrasen aus 20 Jahren Basler Hip-Hop-Geschichte.

Zeugen der Befindlichkeit einer aufkeimenden Szene Anfang der 90er Jahre zwischen Bandenkrieg und polizeilicher Repression.

IN DER KUPPEL JAGEN P-27-Rapper Skelt! und sein langjähriger Freund Black Tiger den Gangster-Rap aus «Murder by dialect» nach Jahren erstmals wieder ins Johlende Publikum. Von Auflehnung und Aggression fehlt dieses Mal aber jede Spur: Da zelebrieren Männer jenseits der 30 breit grinsend mit Tarnkappe und Polizeilampe bewaffnet eben mal Jugenderinnerungen.

Und ein bisschen wohl auch sich selbst: Schliesslich haben sie den Mundart-Hip-Hop erfunden: 1992 kam «Murder by dialect» (frei: «Mord an der dominierenden englischen Sprache durch Dialekt») als Kollaboration von P-27 mit Tiger auf einem Westschweizer Sampler raus - zu einer Zeit, in der niemand richtig glauben wollte, dass der Sprechgesang aus den US-Grossstädten auch in Europa funktionieren könnte.

Die (eher beiläufige) Taufe der neuen EP «Pumpin' Daze» zeigt eindrücklich, warum P-27 trotz mehrjähriger Absenz in Basel und Umgebung Legendenstatus geniessen. «D' Hip-Hop-Szene isch für mi, Basel - dä Rap isch für di.» Das sitzt - mit diesem Schuss Lokalpatriotismus wahrlich eine Szene-Hymne. Zugleich wird beim rund einstündigen Auftritt deutlich, warum den Pionieren der Sprung an die Spitze des Schweizer Hip-Hop letztlich verwehrt blieb: Das Traumgespann Skelt! (Reime) und Tron (Turntables, Sampler und Reime) bleibt nicht beim Hardcore-Rap: Zur Melodie aus «Pink Panther» mimt Skelt!, Mafioso-Hut tief im Gesicht, den Entertainer mit Bärenstimme.

IN EINE SCHUBLADE PRESSEN liessen sich P-27 noch nie, sie wagten auf Platte wie live den totalen Crossover von Rap, Funk, Rock und Reggae. «Wir wollen auch mal lustig sein», sagte Skelt! kürzlich in einem Interview. Das passt rein imagemässig nicht zum heutigen Hip-Hop. Kein Wunder also, lassen P-27 in der Kuppel ausgiebig die «alte Schule» aufleben: Skelt! huldigt «The Wild Style», dem kultigen Sprayer-Film aus den 80er Jahren, trägt stolz seinen Retro-Adidas-Trainer zur Schau und staunt auch ein bisschen über sich selbst: «Was, 16 Johr bin i scho drbi - das gits jo nit.» Der von alten Weggefährten wie jugendlichen Fans gleichermassen gefeierte Nostalgie-Trip hat etwas Rührendes. Doch die Vermutung liegt nahe: Das wird wohl nur ein kurzzeitiges Comeback geben. Die mit Champagner begossene neue EP bleibt in der Kuppel Nebensache. Was bei Darstellern und Publikum glasige Augen herbeizaubert, sind letztlich ganz einfach die guten alten Zeiten.

Item Tag

Musik, P-27, Presse, Rap, Skelt!, Tron

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