Im tiefen, grünen Wald. Die Wettstau-Clique lässt ihre Route-Symphonie durch einen dichten, reich belebten Tannenwald wehen.

2015 - «Drummeli 2015» (Teil 1) @ Basler Zeitung

Montag, 09 Februar 2015
Dominik Heitz
0.0/5 Bewertung (0 Stimmen)

Waldig, süss, militärisch und sandig

Starker Rap und fasnachtsmusikalische Reisen dominieren im Musical-Theater den ersten Teil des Drummeli

Basel. Sie kommen herein - trippelnd, däppelend, tanzend, rockend, joggend. Fast wie in einer Wherlock-Choreografie setzt sich das Drummeli-Ensemble in Szene und legt als A-cappella-Sextett gleich einen furiosen «Drummeli»-Rap hin, witzig und rotzfrech. «Yystoo, vorwärts marsch, dr Eric Wäber zaigt sy ..., yystoo, vorwärts Marsch, dr Guy Morin het kai ..., yystoo, vorwärts Marsch, d Sibel Arslan isch am ..., yystoo, vorwärts Maier, dr Isaac Räber het kaini ...»

Gott der Spiele. Fifa-Boss Sepp Blatter inthronisiert in der Wüste.Und natürlich fragen sich die sechs auch: «Schafft s Drummeli au das Johr dr erscht Rang in dr BaZ?» Nun, wir wollen nichts vorwegnehmen, was diese Liste angeht. Gesagt sei einzig: Trotz des grossartigen und leichtfüssig hingelegten Prologs fehlt es dem diesjährigen Drummeli insgesamt etwas an jener bewundernswerten Leichtigkeit und Spritzigkeit, welche die letztjährige Ausgabe auszeichnete. Das mag vielleicht daran liegen, dass in diesem Jahr ein roter Faden in Form von Figuren fehlt, die gleitend von einer Nummer zur anderen überleiten. Dafür sind - wenigstens im ersten Teil - einzelne Nummern gruppenweise sinnvoll zu Themen gebündelt.

Unter dem Schweizerkreuz

 Die Schnuurebegge nehmen sich gleich Schwieriges vor. Sie intonieren den neu arrangierten «Rossignol» zusammen mit der 50-köpfigen Musikgesellschaft Konkordia Reinach als symphonisches Stück - eine Gratwanderung. Denn die Fusion von Fasnachtsmusik und Klassik ist nicht einfach. Der Vortrag findet beim Publikum Zuspruch.
Schnitt. Das Schweizer Kreuz - riesig. Darunter ein gefallener Eric Weber mit Schüfeli und Wüscherli. Der Arme klagt, halb protestierend, halb winselnd, gegen die ausländischen Märsche wie Römer, Ungar und Arabi, nennt das Nunnefirzli eine Blasphemie und droht: «Ich komme wieder, mit der Freundin Pegida.» Weiter geht es unterm Schweizer Kreuz: Die Junge Garde der Seibi unternimmt eine musikalisch gehaltvolle Reise durch die Schweiz, lässt etwa den Berner- und Sechseläutenmarsch anklingen, fährt von Schönebuech bis Ammel und vo Luzärn gege Wäggis zu und findet zurück zu Basel an sym Rhy. Dann fällt der Blick aufs Matterhorn, vor dem die JB Santihans die Pfeifertagwacht rassig intoniert und den Franken gegen den Euro kämpfen lässt.
Sein Kreuz trägt auch Martin auf seiner Blind-Date-Suche nach einer Barbara. Dani Buser erinnert in dieser Rolle etwas an seinen Sohn Lauren vor einem Jahr. Slam-poetryartig persifliert er die Untiefen der sozialen Medien und gibt im Drummeli mehrmals einen Zwischenstand seiner Barbara-Suche durch.
Verzuckerte Bühne. Die Junteressli spielen als farbige Mässmögge den gleichnamigen Marsch.Auf die Herbstmesse entführen uns sodann die Glunggi und die Junteressli. Letztere verzuckern die Bühne als farbiger Mässmogge-Harst mit einem weniger farbigen «Mässmogge». Erstere servieren ein dynamisches «Tutti Frutti» - ganz in schwarz. Es sollte nicht beim einzigen schwarzen Auftritt bleiben. Man hätte meinen können, die Farbpalette sei den Cliquen bei ihren Kostümen ausgegangen. Von pechschwarzem Zynismus trieft der Banker-Rap von Sergio Erwotti-Stutz, Liz Lehmann-Sarasin, Dagobert Duck, Betty Dougan und Oswald Übel - grandios.
Wunderschön dann der Auftritt der Wettstai; sie lässt die «Route-Symphonie» durch einen Tannenwald wehen, in dem auch Nacktwanderer wandeln, die der später ebenso nackt vor einem Panzer auftretenden Spale mit ihrem überzeugenden «Sambre et Meuse» etwas die Schau stehlen. Diese ist übrigens in der übergreifende Thema Militär gebettet, denn die Spezi (schwarz) legt solide «The Marching Band» hin und die Rhygwäggi doppeln in militärischer Kampfmontur mit dem «Marche des Parachutistes Belges» nach.
Die Alti Richtig nimmt (fast nur schwarz) über einen ironischen Mail-Verkehr mit dem Fasnachts-Comité ihren eigenen Vortrag (es soll der Arabi gewesen sein) auf die Schippe. Und die Rhyschnoogge (schwarz) katapultieren sich mit einem gelungenen «Hofnaar» auf den Planeten der Affen.

Zwei Königskinder

Schlicht grossartig. Der rappelnde Schnitzelbank Heidi steckt alle in den Sack.Dazwischen tragen in köstlichen Stiggli die Stammgäste ihre «Haseburg» zu Grabe und gehen die nicht zueinander findenden Königskinder Baselland und Basel-Stadt wie emotional labile Teenager aufeinander los. Und wie der Fifa-Boss Sepp Blatter sich als Gott der Spiele in der Wüste inthronisiert - Sarkasmus pur. Als aktueller Bezug hätte da gut noch das «Nafea»-Bild gepasst.
Schlicht grossartig aber ist der Heiri. Der Schnitzelbänkler reiht sich gekonnt in die Rap-Auftritte ein und verweist die späteren Seibi-Stroossebängg klar auf den zweiten Platz.
Die Schotte-Clique (schwarz) lässt als Gugge schliesslich auch nichts anbrennen: Mit einem satten Sound entlässt sie das Publikum in die Pause.

 

Artikel teilen

Artikel Hits

1952

Zugehörige Artikel

  • 2015 - «Drummeli» @ Basellandschaftliche Zeitung

    «Das Drummeli ist mein Erbe»

    MARGRIT LÄUBLI - Auf das Geburtstagsgeschenk für ihren Mann Cés Keiser freut sie sich jedes Jahr wie ein Kind

    Jedes Jahr kurz vor der Fasnacht steigt die Kabarettistin Margrit Läubli in den Zug von Zürich nach Basel, um sich eine Drummeli-Vorstellung zu Gemüte zu führen. Die 86-jährige liebt die Basler Fasnachts-Luft.

  • 2015 - «Drummeli 2015» @ Basellandschaftliche Zeitung

    Viel Stimmung, gute Gags, wenig Biss

    DRUMMELI 2015 - Perfekt inszeniert, musikalisch teilweise brillant, aber inhaltlich wenig fasnächtlich und ohne Basler Biss, so präsentiert sich der Drummeli-Jahrgang 2015.

    Wenn Sie Barbara heissen, werden Sie sich vom Drummeli 2015 sicher angesprochen fühlen: Daniel Buser ist nämlich in verschiedenen Rahmestiggli während des ganzen Abends auf der Suche nach seinem Blind-Date Barbara - mit vorhersehbarem Ausgang. Das vermag die Pausen zwischen den Auftritten grosser Cliquen zu überbrücken, überzeugen kann es aber nicht.

  • 2015 - «Drummeli 2015» (Teil 2) @ Basler Zeitung

    Atemlos, nachtaktiv und politisch

    Im zweiten Teil des Drummeli glänzen die Alten Glaibasler, die Breo-Clique und die Basler Dybli

    Basel. Nach der Pause gewähren die Schnooggekerzli einen Einblick in eine Übungsstunde in ihrem Lokal Stainemiili. Dazu kredenzen sie «Z Basel am mym Rhy» mit einem extra fürs Drummeli komponierten Tambourenvorspiel.
    Ein alter, schon etwas tattriger Basler Bebbi, im Saal in der ersten Reihe, duelliert sich dann verbal mit einem jungen Typen auf dem Balkon, der ihn in unverkennbarem Balkan-Schweizerdeutsch anquatscht. Es gibt einige Missverständnisse (und darum Lacher), zum Beispiel rund um die Worte Balkon und Balkan, herrlich.

  • 2014 - «Rapper Skelt! am Drummeli» @ Basler Zeitung

    Rapper Skelt! am Drummeli

    Neuzugänge im Ensemble

    Basel. Seine Premiere feiert das Drummeli zwar erst am 7. Februar 2015, dennoch informierte das Fasnachts-Comité unter seinem Obmann Christoph Bürgin schon gestern über die grösste Basler Vorfasnachtsveranstaltung. Der Grund sind einige bemerkenswerte personelle Änderungen.

  • Kleine Kostprobe: Am Drummeli 2015 erhalten die Fifa und ihr Präsident Sepp Blatter eine eigene Nummer. Bild: Stefan Leimer

    2015 - «Drummeli 2015» @ Basler Zeitung Online

    «Je schlimmer der Zustand, desto mehr Stoff haben wir Kabarettisten»

    Das diesjährige Drummeli trumpft mit Stoff aus aller Welt auf. Der Vorfasnachtsanlass des Fasnachts-Comités will in alle Richtungen schiessen.

    Die Proben werden allmählich intensiver, das Ensemble wächst immer besser zusammen, das Rahmenspiel des Drummeli ist auf bestem Weg: Die Verantwortlichen vom Fasnachts-Comité sind guten Mutes, wie Drummelichef André Schaad sagte. Auch Bettina ­Dieterle, die bereits zum vierten Mal Regie führt. «Ich bin sehr entspannt, denn ich habe eine wunderbar motivierte Truppe», erklärte sie gestern. Sie habe das Ensemble nach über sechsstündigen Proben auch schon nach Hause schicken müssen, damit die Schau­spieler ihre Batterien aufladen konnten.

  • 2015 - «Drummeli 2015» (Teil 1) @ Tages Woche

    EIN DRUMMELI MIT SPRITZIGEN HÖHEPUNKTEN, ABER AUCH DURCHHÄNGERN

    Das Drummeli 2015 führt auf eine dreieinhalbstündige Fahrt über originelle Höhepunkte, durch moralingetränkte Talfahrten und zu vielen Neukompositionen, von denen es wohl nur wenige ins Standard-Repertoire der Fasnacht schaffen werden.

    Nach dem Mimösli, Pfyfferli, Fasnachtskiechli, dem Ridicule, Fasnachtsbändeli, Fasnachtsladäärne, dem Zofingerconzärtli, Charivari für Erwachsene und Kinder – hab ich etwas vergessen? – stand nun endlich mit dem Drummeli die Premiere der Mutter aller Vorfasnachtsveranstaltungen an.

  • 2015 - «Drummeli» @ Radio SRF 1

    Drummeli 2015 - «Balkånszene» (Teil 1)

    Balkan...äh...Balkonszene aus der vorjährigen Mutter aller Basler Vorfasnachtsveranstaltungen «Drummeli 2015» @ Musical Theater Basel.

    You must have the Adobe Flash Player installed to view this player.

  • 2015 - «Drummeli» @ Radio SRF 1

    Drummeli 2015 - «Balkånszene» (Teil 2)

    Balkan...äh...Balkonszene aus der vorjährigen Mutter aller Basler Vorfasnachtsveranstaltungen «Drummeli 2015» @ Musical Theater Basel.

    You must have the Adobe Flash Player installed to view this player.

  • 2015 - «Drummeli» @ Basellandschaftliche Zeitung
  • 2015 - «Drummeli 2015» @ Basellandschaftliche Zeitung
  • 2015 - «Drummeli 2015» (Teil 2) @ Basler Zeitung
  • 2014 - «Rapper Skelt! am Drummeli» @ Basler Zeitung
  • 2015 - «Drummeli 2015» @ Basler Zeitung Online
  • 2015 - «Drummeli 2015» (Teil 1) @ Tages Woche
  • 2015 - «Drummeli» @ Radio SRF 1
  • 2015 - «Drummeli» @ Radio SRF 1
  • Drummeli 2015