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Outlander

am Mittwoch, 29 März 2000. in Theater

Fremdgehen mit Kleist (1999/2000)

Outlander

«Outlander» ist ein Spiel mit Heinrich von Kleists «Familie Schroffenstein».

GESCHICHTE IST GANZ EINFACH.

 

Rossitz

Peter ist tot!

Peter, der jüngste Sohn von Rupert von Schroffenstein aus dem Hause Rossitz ist tot. Man hat ihn im Gebirge am Fluss gefunden. Schuld ist der blutsverwandte Nachbar, Sylvester von Schroffenstein aus dem Hause Warwand. Rupert schwört Rache.

Hat er recht?

Warwand

In Warwand gibt man sich locker. Sylvester von Schroffenstein aus dem Hause Warwand lebt mit seinen zwei Frauen Gertrude und Gertrude und seiner Tochter Agnes fröhlich in den Tag hinein. Er nimmt Ruperts Kriegserklärung offenbar nicht allzu ernst.

Alles nur Verstellung?

«Wie zwei Spinnen in einer Schachtel verstricken sich die Schroffensteiner in einem Netz aus Verdächtigungen.»

Erbvertrag

«Seit alten Zeiten gibt es zwischen unseren beiden Grafenhäusern von Rossitz und von Warwand einen Erbvertrag. Kraft dessen nach dem gänzlichen Aussterben des einen Stammes der gänzliche Besitztum desselben an den anderen fallen sollte.»

In Warwand hocken die Bösen und in Rossitz die Guten.

Alles klar?

Wyk

Jeronimus von Schroffenstein aus dem Hause Wyk sieht das nicht so einfach. Er will die zerstrittenen Familien unbedingt wieder versöhnen.

Ist er nun der Gute?

Liebe

Agnes von Schroffenstein aus dem Hause Warwand und Ottokar von Schroffenstein aus dem Hause Rossitz lieben sich heimlich. Wenn die beiden heiraten, wäre die Versöhnung der Familien perfekt. Aber auch Ruperts unehelicher Sohn Johann von Schroffenstein liebt Agnes.

Wird nun aus Liebe Frieden?

Krieg

«Man nimmt einen Konflikt wahr, kann die jeweiligen Parteien verstehen, die beide auf ihr Recht pochen, aber selber kann man immer nur sagen: Deine Argumente stimmen, was aber noch nicht heisst, dass du Recht hast. Dies leuchtet jedem ein, und trotzdem enden Konflikte im Chaos, dem der Mensch nur den Krieg, der alles plattwalzt, entgegenzusetzen weiss.» T. Ryser

Zum Stück

Verantwortlich für dieses Projekt sind Tom Ryser, Skelt! und Eva Watson. Seit drei Jahren arbeiten sie als Produktionsgemeinschaft zusammen, seit einem Jahr unter dem Namen «Gendertainment». Der Gruppenname ist Konzept, das unterhaltsames Spiel mit Identitäten beinhaltet. Für dieses Projekt wurde künstlerische und organisatorische Zusammenarbeit mit anderen Institutionen gesucht: mit dem Theater Basel und Cîrqu’enflex. Koproduziert wird das Projekt mit Migros-Kulturprozent und unterstützt von Pro Helvetia, vom gemeinsamen Fachausschuss Theater und Tanz in der Region Basel/Kulturelles BS/BL und der Swisscom Mobile.

Vor beinahe zweihundert Jahren stand Heinrich von Kleist auf der Rheinbrücke in Basel, im Gepäck einen Entwurf seiner «Familie Schroffenstein», und betrachtete fasziniert das fliessende Gewässer. Vielleicht kam ihm auf der Rheinbrücke die kriminalistische Idee, Peter, den Sohn des Rupert von Schroffenstein, beim morgendlichen Spielen in einem Fluss ertrinken zu lassen. Rupert schwört Rache für den toten Sohn, weil er Sylvester von Schroffenstein hinter dem Tod vermutet. «Wie zwei Spinnen in einer Schachtel» verstricken sich die Schroffensteiner in einem Netz aus Verdächtigungen. Einige Monate später soll Kleist mit hochrotem Kopf durch den Eichenwald der Aare-Insel bei Thun gerannt sein. Er stammelte unverständliche Sätze bis daraus Sprache ohne leere Stellen und Füllwörter wurde, die sein Trauerspiel «Familie Schroffenstein» auszeichnet. Vielleicht klangen Kleists Wortkaskaden von ihm selbst gesprochen wie Sprechgesang. Hier liegt auch eine der Begründungen, warum Tom Ryser, Skelt! und Eva Watson nach ihren erfolgreichen Produktionen «Gleis X» und «Prinzähssinnen» nun Kleists Trauerspiel als Quelle für ihre neueste Arbeit «Outlander» ausgewählt haben.

Es ist die Sprachkonstruktion, fast eine Art Sprachballett, die sie interessiert. Der Text federt in seinem Rhythmus und treibt nach vorne. Und dieser Text, diese Geschichte, die nur noch in ihrer Grundmechanik verwendet wird, trifft auf die Qualität der Viel-zungen: Junge Darsteller, fast alle Ausländer der zweiten und dritten Generation, spielen und sprechen zunächst in deutsch, landen zeitweise in ihren jeweiligen Muttersprachen, chinesisch und arabisch, kurdisch und italienisch, französisch und englisch, um wieder zum Deutschen zurückzufinden.

So wird denn während der Proben mit Sprache und Form gespielt, man erinnert sich an Sprichwörter aus der Muttersprache, die übersetzt ins Deutsche etwas ganz anderes bedeuten, härter oder weicher klingen, als sie eigentlich gemeint sind. So werden Missverständnisse und vor allem unterschiedliche Umgangsformen deutlich, die auch das Dilemma der Schroffensteiner beschreiben:

In Warwand gibt man sich betont locker. Besucher werden gebeten, erst einmal Platz zu nehmen, der Hausherr Sylvester pflegt kultivierte Umgangsformen, seine Frauen, drei an der Zahl, sprechen unterschiedliche Sprachen, trotzdem versteht man sich. Anders Rossitz. In tiefer Trauer beweint man den toten Sohn. Man schwört auf Blut und Boden, und deshalb Rache. Die Wut ist verständlich und Geschichte scheint ganz einfach:

In Warwand hocken die Bösen, in Rossitz die Guten. Aber plötzlich dreht die Geschichte, wird kompliziert, die Auseinandersetzung eskaliert in Krieg und wird damit ganz gegenwärtig. Tom Ryser erklärt: «Man nimmt einen Konflikt wahr, kann die jeweiligen Parteien verstehen, die beide auf ihr Recht pochen. Aber selber kann man immer nur sagen: Deine Argumente stimmen, was aber noch nicht heisst, dass du recht hast. Dies leuchtet jedem ein, und trotzdem enden Konflikte immer im Chaos, dem der Mensch nur den Krieg, der alles plattwalzt, entgegenzusetzen weiss.»
Kompliziert und reizvoll wird die Geschichte der Schroffensteiner auch, weil die Liebe ins Spiel kommt. Agnes und Ottokar, die Kinder der zerstrittenen Häuser, treffen sich heimlich im Gebirge. Hier bekommt der Konflikt nicht nur ein anderes Zentrum, sondern für Tom Ryser besteht die Möglichkeit, das Konzept «Fremdgehen mit Kleist» zu verdeutlichen:

«Die Liebenden buchstabieren sich langsam vom Deutschen ins Arabische. Die Zuschauer haben die Möglichkeit, ihre Sichtweise auf diese Liebesgeschichte in die fremde Sprache hineinzuprojizieren.»

Matthias Günther

outlander ensemble

Der Cast

Das Team

 
Idee und Regie Tom Ryser
Musikalische Leitung und Grafik Skelt!
Produktionsleitung und Dramaturgie Eva Watson
Choreographie Bea Nichele Wiggli
Bühne Bea & Fabian Nichele Wiggli
Kostüme Gabriele Kortmann
Regieassistenz Boris Nikitin
Produktionsassistenz Catherine Rutishauser

Mitwirkende

(alphabetisch)
 
Ottokar Tarek Abu Hageb
Volk von Rossitz Marcel Bachmann
Agnes Rula Badeen
Johann Urs Baur
Gertrude Olivia Cholette
Aldöbern, Santing, Theistiner Marco Ercolani
Tier/Krieger Simone Kaiser
Volk von Warwand Mookie
Tier/Krieger Fabian Nichele Wiggli
Jeronimus Sanja Ristic
Tier/Kriegerin Catherine Rutishauser
Barnabe Bea Nichele Wiggli
Eustache Ziska Schläpfer
Rupert Skelt!
Gertrude Moni Varga
Sylvester Tom Ryser

Theater Basel

 
Technischer Direktor Reinhold Jentzen
Technischer Produktionsleiter Beat Weissenberger
Maschinenbautechnik René Borgne
Schlosserei Lothar Deyk, David Kunz,
Meinrad auf der Maur
Beleuchtungsmeister Markus Küry
Beleuchtung Thomas Giger, Roger Flückiger
Ton Beat Frei
Möbel Marc Schmitt
Leitung Kostümabteilung Karin Schmitz
Gewandmeister Herren Ralph Kudler
Gewandmeisterin Damen Fränzi Brodbeck
Kostümmalerei Liliana Ercolani, Rosina
Plomaritis-Barth
Fundus Selma Studinger
Schuhmacherei José Luis Garcia
Ankleidedienst Herren Werner Derendinger
Ankleidedienst Damen Irma Studer
Presse Kathrin Gartmann
Fotos Sebastian Hoppe

Ein besonderer Dank geht an alle SchneiderInnen des Theater Basel sowie an Stefan Bachmann, Fabian Degen, Martin Frank, Matthias Günther, Barbara Masson, Steffie Salvisberg, Michael Schindhelm, Anne Schöfer, Tom Till, Lars-Ole Walburg, Maarten Greve, Dirk Wauschkuhn, Peter Krottenthaler, Robert Hermann und Jürgen Wollweber.

Vorstellungen

Premiere: Mittwoch, 29. März 2000

Samstag 1. April 2000 20.15h
Mittwoch 5. April 2000 20.15h
Montag 10. April 2000 20.15h
Donnerstag 27. April 2000 20.15h
Samstag 29. April 2000 20.15h
Mittwoch 3. Mai 2000 20.15h
Freitag 5. Mai 2000 20.15h
Montag 8. Mai 2000 20.15h
Samstag 13. Mai 2000 20.15h
Montag 15. Mai 2000 20.15h
Samstag 20. Mai 2000 15.00h

Vorstellungen

am Theaterfestival Auawirleben Dampfzentrale, Bern

Freitag 9. Juni 2000 20.30h
Samstag 10. Juni 2000 20.30h

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