2012 - «1 City 1 Song» @ Basler Zeitung Online

Mittwoch, 17 Oktober 2012
Joel Gernet
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Ein 83-Minuten-Monument für den Basler Rap

Dieses Wochenende erblickt ein Monster von einem Raptrack das Licht der Welt: Auf «1 City 1 Song» vereinigt Black Tiger über 140 Rapper aus der Region Basel. Am Freitag feiert das Werk mit einem Weltrekord auf DRS 3 Premiere, am Samstag gibts das Werk live in der Kaserne zu hören und als Gratis-Download. Der Bericht eines Beteiligten.

black tigerBlack Tiger hat ein Monster erschaffen! Einen 83 Minuten langen Rapsong mit über 140 Rapperinnen und Rappern aus der Region und Beats von 11 Produzenten (Liste am Ende dieses Artikels). Auch wenn sich der Basler Rappionier eigentlich lieber nicht in den Vordergrund drängen will, schliesslich hatte er viele Helfer zur Seite, so ist es doch er, der dieses Wahnsinnsprojekt angerissen und durchgezogen hat. Es kann nur Black Tiger sein!

Kaum ein anderer Rapper hätte die Vision, den Optimismus und die Hartnäckigkeit, während zwei Jahren ein derart selbstloses Projekt zu realisieren. Andere hätten mit dieser Energie zwei Solo-Alben geschrieben. Nicht so Tiger, der mit «1 City 1 Song» ein eindrückliches Statement für die lokale HipHop-Szene abgibt und rund 20 Jahre nach der «Basler-Rap»-Hymne «Murder by Dialect» (mit P-27) ein zweites Mal Schweizer Musikgeschichte schreibt.

Entstanden ist ein einmaliger Song, der die Vielfalt und das Potenzial der Rapszene am Rheinknie zeigt und beweist, was man gemeinsam erreichen kann – wenn man bis zum Ende zusammensteht. Die Message des Monstersongs ist simpel: So verschieden die Teilnehmer aus (fast) allen Rap-Lagern und Generationen (15 bis 44 Jahre) auch sind, man hat zwei gemeinsame Nenner – die Liebe zu Basel und die Leidenschaft für Rap. Und Black Tiger hat nicht nur einen rekordverdächtig langen Song lanciert, er hat auch die Basler Rapszene(n) zusammengebracht und damit dem internen Austausch massiven Aufschub gegeben. Dazu haben nicht nur die zweitägigen Aufnahmen in den Basel City Studios beigetragen, sondern auch die entsprechende (nicht öffentliche) Facebook-Gruppe, die sich quasi zu einem Basler Rapforum entwickelt hat.

1city1song plakatDass bei einem Song mit 147 Wort-Beiträgen in acht Sprachen nicht alle mit der Technik eines Eminem und der Genialität eines Jay-Z daherkommen (ich weiss, ein hinkender Vergleich, aber Ihr wisst, worauf ich hinaus will), war von Anfang an klar – und ich hätte nie gedacht, dass genau das eine der Stärken des Songs ist: Denn selbst die unerfahrensten oder, sagen wir mal, limitiertesten Rapper kommen meist gut und unterhaltsam rüber. Jeder hat sich ins Zeug gelegt.

Zu meinem eigenen Erstaunen kann ich den Song dementsprechend gut am Stück durchhören, ohne dass er mir verleidet. Zu gross ist die Palette des Gebotenen. Dass der Track ohne Fluchwörter und (fast) ohne Floskeln auskommt, ist ebenfalls Verdienst von Black Tiger, der stets mit Rat und Tat zur Stelle war und sich auch nicht davor scheute, die wunden Punkte – beziehungsweise – Textstellen anzusprechen. Ich schreibe dies nicht nur als Medienmensch, sondern vor allem auch als beteiligter Rapper, der Black Tiger seit Jahren kennt.

1city1song probenWer in einem Verein ist oder sonst schon einmal ein Projekt mit vielen Künstlern durchgezogen hat, kann erahnen, was für einen Aufwand sich Black Tiger da aufgehalst hat. Zumal er es ja immerhin mit Rappern zu tun hat – diese eigensinnige Spezies ist nicht gerade für unkompliziertes, speditives Schaffen bekannt. Doch, wie heisst es so schön: no pain no gain. Umso grösser ist jetzt der Triumph: Am Freitagabend ist die Weltpremiere auf DRS 3 und am Samstag geht in der Kaserne Basel die Uraufführung des 83-Minuten-Songs über die Bühne.

Es ist gleichzeitig die Videoclip-Premiere. Black Tiger hatte nämlich nicht nur die halsbrecherische Idee, sämtliche Beteiligten mit Porträt und ihren Textpassagen in einem Fotoband zu verewigen, nein, es musste auch ein adäquater Clip her. Dass dieser so gut wie ohne Budget und nur dank der Selbstausbeutung vieler Beteiligter möglich war, erklärt sich fast von selbst: Der Beitrag des Basler Rockfördervereins (RFV) deckte gerade Mal einen Teil der Studiokosten ab. Also stieg Tiger für ein Benefizkonzert in die Hose. Und so wird nun dieses Wochenende ein Monster von einem Song gefeiert, von dem nicht wenige dachten, dass er nie das Licht der Welt erblicken wird. Erst recht nicht in dieser passablen Aufmachung. Zum Glück – und viel zu selten – gibt es so wahnsinnige, unverbesserliche und selbstlose Visionäre wie Black Tiger – dankeschön!

«1 City 1 Song» feiert am Freitag, 19. Oktober, um 20 Uhr im «Black Music Special» auf DRS 3 Weltpremiere (Weltrekord: «Longest Rap-Song ever played on a national Radiostation»). Die Uraufführung findet am Samstag, 20. Oktober, in der Reithalle der Kaserne Basel statt – für den Auftakt sorgen die Pioniere der Szene (Luana, Skelt!, Kalmoo, Shape, Poet, MC Rony, Red G, Tarek und Black Tiger) mit einigen ihrer bekanntesten Songs von damals. Der Vorverkauf wird empfohlen, Tickets gibt’s hier. Nach der Erstausstrahlung wird der Song zudem auf der Projekt-Homepage als Gratis-Download zur Verfügung gestellt.

1 city 1 song iTunes

Diese Rapperinnen und Rapper sind auf «1 City 1 Song» zu hören:
Black Tiger, Marook, Dirty D, Rony, Kuzco, Tiz, Red Gee, Zitral, Sod, Venti, KIS, PYRO!, Silas, Shape, Poet, Masso Vollkasko, Dichter, Fetch, Debugging, Loss, Misandope, Young Hatian, MC Bitch & Dick MC (prod. by Kalmoo), Chilz, Jake, Apache, Da Rime, Esol, Jean Luc Saint Tropez, Madzam, Ilp, Taz, Aman, Da Nini, Kush Karisma, Gorilla, Casus, TKB, Kaotic Concrete, Ayre, RoYal, Sam, Dyer, Zehir, Krime, Contrast, Manoo, Abart, Trace, Siddet MC, Ensy, Tuono, Frozen, Alen, Mos, Lorro One, Killman, Demicoeur, IGI, La Nefera, TMC Ries, Stereo, PIMC, Spicker, Laut’ro Ekz, Quenn, Rippa, Sugar Daddy, Ribo, Skelt!, Easy Yves, Nuria, Zenx, Double M, Thierrey, Attsmok4real, Rici, Dobercan, Jack the Ripper, Kid Bakabu, Spläääsh, Wildi, Aff, Masta-s, Senyo Impulsivo, Smurf, Plisa, MABUU, Otaku, Audio Dope, Einzelgänger, Rascal, Luana, MC Dichter, Mirco Melone, Reemoe, Bösi Beat Box, anatol atonal, Steyr, Freccia Sarda, Dread Lee, Bone, Aslan, Jayz Delis, Sharp de Bräzl, Turett, Son Doc, Funky Notes, Mikrophonist, Fabe, Saian Flinn, Bugs MC, Sista Lin, Zako, Uran, Face, Ulysse, Jenzi, Ced, Abilon Blake, Kene, LilG (King Phips), Mareko, Sessoma, RIG, Babadanman, EasyMe, Cube, Ferat, Jiggy, Hunter S. Tompson, Red Cap, Trigger MC, Urban, Rudee, Tarek, Quinton Skill, D!ce, Beretta MC, MC Schoggi, Bina, MC Gabe, Ira, Chabezo, Some, Len MC, Mimmo Digita, Phantom Ranks

Beats: PearlBeatz, Tron, Sandro Purple Green, Black Tiger, Misda Oz, Adic, DJ Flink, Stare, JakeBeats, Audio Dope, Mr. Fierce.
DJ’s: DJ Steel, DJ Freak, DJ Ace, DJ Bazooka, DJ Tron, DJ Larry King, Goldfinger Brothers (DJ La Febbre & DJ Montes)
Beatbox: Ciaccolo

Konzept, Idee und Realisierung: Black Tiger. Mix und Editing: Fred Herrmann (Hitmill Studio, Produzent Bligg). Mastering: Dan Suter (Echo Chambers, z.B. Kool Savas, Xavier Naidoo). Unterstützung: Kaserne Basel, Sommercasino Basel. Das Projekt wurde mitfinanziert von: RFV – Rockförderverein Basel. Mit freundlicher Unterstützung von: Basel City Studios.

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