Fasnacht.ch

2020 - «Drummeli - Teil 1» @ Fasnacht.ch

Samstag, 15 Februar 2020
Daniel Thiriet / Bilder: BFO Master of Picture Ivo Birrer
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s Drummeli ist und bleibt: einzigartig!

Wenn man das Drummeli als Gesamtkunstwerk betrachtet (und das sollte man), und es nicht ausschliesslich an den Rähme aufhängt, dann darf man getrost von einem tollen und sehr kreativen Jahrgang sprechen. Super Cliquenvorträge, gute Rähme, Gugge und Schnitzelbängg folgen einem pfiffigen roten Faden!

Der rote Faden

Die Idee der Tour de Bâle ist gut und wird von den Cliquen zum Teil hervorragend umgesetzt. In den Umbaupausen unterhält uns eine Comicfigur von Domo Löw, die rastlos von einem Ort zum andern hetzt.

D Rähme

Das Team der Drummeli-Schauspieler mag sich. Das merkt man. Sie spielen sehr gut und geben auch schwächeren Texten ein Gesicht und zwar jenes, welches wir aus der Vergangenheit kennen. Gut artikuliert, schön gespielt und lustig angezogen. Wenn zwei Herren aus dem Daig um ein E-Trotti streiten, um dann miteinander weg zu fahren, dann ist das lustig und genau so, wie man das vom Drummeli will: Bezug zum Sujet und baslerisch. Grossartig dann auch der Zürcher Theaterregisseur, der eine Basler Oper zum Böögenfestival macht (endlich darf Andrea Bettini sprechen, wie ihm der Schnabel gewachsen ist). Dann der Soloakt von Dominik Gysin, der einen Text von Unbekannt zum Thema „Probleme in dieser Welt“ so spielt, wie einst Rehorek. Er würde stehend applaudieren. Gerne noch ein Kompliment an die Maske und das Goschdym-Team: Wenn Bettini plötzlich eine Vollmähne trägt dann steckt da sicherlich viel Arbeit dahinter…

D Cliquene

Die Verschnuuffer spielen den Rossignol im Vogelhaus des Zolli. Schöner Vortrag. Leider sind die schwarzen Kleider nicht ideal für ein Drummeli-Auftritt. Da wird jede Falte und jedes Loch ausgeleuchtet und es sieht nicht gut aus. Gottseidank können die Verschnuuffer musizieren. Deshalb ist das eigentlich nicht so wichtig.

Eine Pfyffer-Retraite von Donizetti an der Uferstrasse von den Rootsheere. Schön gemacht, mit etwas Bewegung im Vortrag und einer überraschenden Botschaft. Am Schluss stehen auch die Basler Unikate (Gugge) auf der Bühne: Zämme goots au! Genau!

Die J.B. Clique Santihans Junge Garde (Trommel- und Pfeiferschule) spielen ein Quodlibet Schweizer Volkslieder auf dem Petersplatz. Das Stück ist – vor allem für die Kleinsten – etwas zu lang geraten. Die Volkslieder sind schön zu hören und es ist bemerkenswert, wie sich die Junge Garde der JB Santihans präsentiert.

Ein lustiger und musikalisch schöner Vortrag kommt von den Märtfraueli: Let it go aus Frozen in der Yyshalle St. Jakob. Eine sehr gelungener Beitrag an die Tour de Bâle.

Ein erster Höhepunkt aus der Cliquenszene: Der Barbara-Club in Militärkleider mit dem wunderschönen Auprès de ma Blonde auf dem Kasernenplatz. So tönt ein präzis gespielter Marsch im genau richtigen Tempo mit gestimmten Instrumenten! Bravo, erfüllt, abtreten!

Darauf folgt, wieder im Militärlook, d Märtplatz und geben die Märtplatzversion der Regimentstochter mit Vorspiel. Natürlich auf dem Marktplatz.

D Lälli-Clique steigt in den Keller des Marionetten-Theaters runter und spielt den Pinocchio mit einer sehr schönen Inszenierung (vielleicht sollte man den Statisten-Marionetten auf der Bühne sagen, dass sie Marionetten sind und keine Duracell-Ueli…).

Die Pfluderi-Clique nehmen uns mit auf ihre Station der Tour de Bâle: Münsterplatz, Herbstmesse. Eine Szene auf der Herbstmesse wird nachgestellt. Der Hanswurst tönt schön und die Szenerie ist gut inszeniert.

Dann folgt der zweite, vielleicht bemerkenswerteste Höhepunkt des ersten Teils: Die Aagfrässene assoziieren ihre Station auf Winkelriedplatz mit dem zweiten Weltkrieg und den Bombenwürfen auf die Region. Sie intonieren den Arabi, je nach Stimmung mit verschiedenen Tempi und bauen somit eine wahrhaftig nachdenkliche und bedrückende Atmosphäre auf. Verletzte werden abtransportiert, Leute verstecken sich, gehen in Deckung, man spürt Angst! Aber die Szene wirkt! Toll gemacht, sehr schön gespielt. Der Trauerflor am Requisit passt zur Stimmung und zum Bild, hat aber leider einen realen Hintergrund: Die Clique trauert um einen Aktiven, der einen Tag vor dem Auftritt gestorben ist. Das Schicksal spielt oft die härteste Regie!

Die Muggedätscher spielen zum Abschluss den Wettsteinmarsch im Toleranzgässli (Grünpfahlgasse) mit Klavierbegleitung.

D Schnitzelbangg

Dr Fäärimaa hat eine schwere Aufgabe: Als „Ainzelmasgge“ mit für diese Bühne etwas kleinen Helgen muss er wirklich gross auftragen, damit es funktioniert. Und das tut er! Ein guter Bangg mit herrlichen Versen.

Bref: Der erste Teil ist „Drummeli“, so wie es sein muss. Die Mitglieder des Fasnachtscomités, können mit ihrem Drummeliteam (unter der Leitung von Robi Schärz) nach der Vorstellung auf ein gutes Drummeli anstossen.

Man hat mir – kurz von meinem Abgang in der Pause – zugesteckt, dass ich den besseren, zweiten Teil verpasse! Naja, ich mag es meiner Kollegin gönnen…

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