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2020 - «Drummeli - Teil 2» @ Fasnacht.ch

Samstag, 15 Februar 2020
Carmen Kolp / Bilder: BFO Master of Picture Ivo Birrer
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Drummeli Teil 2 – Ein Feuerwerk an Fasnachtsklängen und ein Angriff auf die Lachmuskeln

Nach der Pause startet ein Feuerwerk an Piccolo- und Trommelklängen und ein Angriff auf die Lachmuskeln. Die Cliquen zeigen nicht nur, dass sie ihr Instrument beherrschen, sondern schöpfen auch die Infrastruktur des Musicaltheaters voll aus. Sanfte Töne der Gugge und scharfe Schnitzelbanggpointen runden dieses Drummeli gourmetmässig ab.

Gehen wir chronologisch vor. Das erste Rahmenstück nach der Pause zeigt gleich einen neuen Weg des Impeachment auf, nämlich den Austausch von FCB-Präsi Burgener mit dem amerikanischen Präsidenten. Eine Idee, welche zwar weit hergeholt und sicherlich nicht klimaneutral wäre, aber nicht ganz so abwegig scheint.

Cliquentechnisch beginnt der zweite Teil mit den Opti-Mischte,welche dr Gendarme vo Basel an der Grenze zu Frankreich musikalisch sehr gut umsetzen. Hier zeigt sich das erste Mal, welche Fantasie eine Clique haben kann, wenn man lauter Louis de Funès‘, ein Waggis und eine Nonne mit einem alten Deux-Chevaux nach einer Verfolgungsjagd auf die Bühne bringt.Wie die Arrangeurin Michaela Brosig berichtet, wurde sie von der Clique angefragt, ob sie den Auftritt arrangieren könne. Und da es sich um einen Pfeifer- und Tambourenvortrag handelt, wurde Philipp Meyer genötigt, auch noch was für die Tambouren zu schreiben. Als die Drummeliverantwortlichen den roten Faden mit der Tour de Bâle vorgaben, verlegte die Clique kurzerhand die Handlung von St. Tropez an die schweizerisch-französische Grenze. Die Nonnen und passenden Autos haben sie mitgebracht und jagen nun betrunkene Waggis statt Nacktbader (für diese Anpassung sind die Zuschauer sicherlich dankbar).

Der nächste Rahmen ist mit sehr viel schwarzem Humor ausgestattet. Die Schauspieler*innen Rula Badeen, Susanne Hueber, Andrea Bettini, Skelt! und Dominik Gysin als Mitglieder des Comités sitzen an ihrer letzten Besprechung in einer geheimen Wohnung eines Comitémitglieds. Plötzlich klopft Lukas Kubik in der Gestalt des Todes an die Tür und will die Comitémitglieder mit in die Hölle nehmen. Als er jedoch von den vielen Aufgaben des Comité hört und das ewige Gemaule dazu, setzt er sich für eine Fristerstreckung ein. Schwarzer Humor im wahrsten Sinne des Wortes.

Ewig Aktuelles bringt die Rätz-Clique mit dem Baustellenmarsch auf die Bühne. Es verwundert nicht, dass auch Baustellenwerkzeuge als Instrumente genutzt werden.

Orange wird es mit den Schränz Gritte. Sie spielen Gritte in Love with Basel im Rheinhafen mit passender Liebesfilmthematik im Hintergrund.

Danach wird es mit den Basler Bebbi Basel schwarz/weiss. Sie zeigen mit Regrette im 11’000 Jumpfere Gässli ein absolut verzauberndes Schattenspiel.

Auch im nächsten Rahmenstück spielt das Comité eine Rolle. Es geht um die 1. Leggtion am ersten Samstag nach der Fasnacht auf dem Barfüsserplatz. Hier trifft ein Vertreter der Männercliquen auf die strickende Veganfasnächtlerin. Neben ihnen der stramme Aussortierer. Alle haben sie ihr eigenes Bild vom Fasnachtmachen und sind in ihrer Art IN-tolerant. Darum sind auch alle erstaunt, dass am Schluss der Expat sagt „I want to go into a Gugge“ (ausgesprochen: Gagge) wünscht.

Süss wird es mit den Pfeifern der Giftschnaigge als Pudeli und den Rottweiler-Tambouren. Sie spielen passend den Colonel Bogey im Pavillon der Claramatte (normalerweise sind Hunde auf der Claramatte verboten, aber ich denke, diese Sonderkreuzung erhielt eine Ausnahme).

Essbar ist das, was die Seibi und Seibi Mysli an den Beinen haben sicherlich nicht mehr. Sie zeigen mit dem Läggerli die Abfallproblematik am Kleinbasler Rheinufer auf.

Die Schlyffstai lassen uns mit bekannten Melodien wie „Die kleine Kneipe in unserer Strasse“ in Cliquenkellern versinken und zeigen auf, wen man wie in einem eben solchen antreffen könnte. Auch sie haben je einen Vers zur grünen Welle im Bundesrat und zu Greta. Und auch die Männer der Schlyffstai fragen sich, was der Frauenstreik gebracht hat, ausser 2 Wochen Vaterschaftsurlaub.

Musikalisch zeigen die Naarebaschi mit die Neye Glaibasler, was bildlich so zum neuen Kleinbasel in der Greifengasse zählt: Dunkin’ Donut.

Von nun an bleibt man im Kleinbasel. Das Rahmenstück nimmt die Thematik von der Verwandlung der Anbandelungsbaizen in Gault Millau-Restaurants in und am Rand der Toleranzzone auf.

Die Toleranzzone wird in rosa und gold von den Männern der Olympia mit s Nuttefirzli, besser bekannt als Nunnefirzli, in der Webergasse aufgegriffen. Hier ein laszives Schlegel-fallen-lassen, da eine mit dem Publikum interagierende Dame und doch musikalisch solide bilden sie einen Angriff auf die Lachmuskeln. Für ihren Auftritt hat sich die Olympia eine besondere Verstärkung geholt: Scott, seines Zeichens Drumleader beim Grand Republic Fife and Drum Corps, flog extra heute Morgen aus den Staaten an, um das Erlebnis „Drummeli“ mit seiner Clique miterleben zu dürfen. Selbstverständlich nahm er auch regelmässig an den Trommelstunden via Skype teil. Ein Amerikaner, den die Basler Fasnacht in den Bann zog.

Bereits beim Auftritt der Olympia waren einige Mitglieder des Central Club Basel als interessierte Herren zu sehen. Von der Ochsengasse geht es für sie mit dem Can Can Bâlois 2.0 gedanklich ins Moulin Rouge. Auch hier wird ganz viel Bein gezeigt und die Lachmuskeln auf die Probe gestellt.

Ein bünzlihaftes Rahmenstück zeigt die alte Dame am Fenster, welche besser Bescheid weiss als mancher TV-Sender, was wer wo wie macht – und vor allem wer gegen was demonstriert. Passend der immer „jä“ und „jäjä“-sagende Mann Zeitung lesend im Sessel. Und auch er möchte mitmachen, an einer Freitagsveranstaltung, genannt Black Friday.

Der wortwörtlich königliche Abschluss macht der Dupf Club Basel mit ihrem Lion King Medley im Musical Theater. Ein absolut fulminanter Auftritt, welcher absolut an diesen Ort passt. Herzliche Gratulation zu diesem Auftritt, welcher nicht nur für die Ohren ein Schmaus war, sondern vor allem auch für die Augen.

Das letzte Rahmenstück nimmt wieder den Anfang auf. Skelt! alias Heino bringt stimmgewaltig das Lied „z Basel an mym Rhy“ zu Ende. Das restliche Ensemble zusammen mit dem Dupf runden das Drummeli mit einem klassischen Finale ab.

Das Ensemble bestehend aus Rula Badeen, Susanne Hueber, Andrea Bettini, Skelt!, Dominik Gysin und Lukas Kubik brilliert in seinen Rollen. Jedes Rahmenstück ist anders, vom nachdenklichen bis zur thematischen Toleranzzone sind feine und spitze Pointen vorhanden und schlagen eine Brücke zwischen den Cliquen und zeigen weitere Orte auf der Basler Stadttour. Die unterschiedlichen Charaktere werden von Ihnen witzig, überspitzt und mit Niveau präsentiert. Die Rahmenstücke hielt der Regisseur Laurent Gröflin eher kurz, was zu einem kurzweiligen und tollen Drummeli führt. Vor allem auch die Zeichnungen von Domo Löw und Pascal Müller (Animation) sorgen dafür, dass der rote Faden der Tour de Bâle besteht. Dem strahlenden Drummeliverantwortlichen Robi Schärz ist auch dieser rote Faden, bzw. diese Tour gelungen. Eine etwas andere Sightseeing-Tour durch Basel wurde versprochen und findet ganz bequem im Sitz des Musicaltheaters statt. Gratulation allen Beteiligten zu diesem Monstre!

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