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2015 - «Drummeli 2015» @ Basellandschaftliche Zeitung

Montag, 09 Februar 2015
Matthias Zehnder
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Viel Stimmung, gute Gags, wenig Biss

DRUMMELI 2015 - Perfekt inszeniert, musikalisch teilweise brillant, aber inhaltlich wenig fasnächtlich und ohne Basler Biss, so präsentiert sich der Drummeli-Jahrgang 2015.

Wenn Sie Barbara heissen, werden Sie sich vom Drummeli 2015 sicher angesprochen fühlen: Daniel Buser ist nämlich in verschiedenen Rahmestiggli während des ganzen Abends auf der Suche nach seinem Blind-Date Barbara - mit vorhersehbarem Ausgang. Das vermag die Pausen zwischen den Auftritten grosser Cliquen zu überbrücken, überzeugen kann es aber nicht.

Das Verdikt gilt für eine ganze Reihe von Rahmestiggli, die zwar technisch perfekt inszeniert sind, inhaltlich aber oft hinter dem Niveau der musikalischen Darbietungen zurück bleiben.

Die Eric-Weber-Parodie krankt daran, dass die Parodie harmloser ist als das Original.

Eine Eric-Weber-Parodie zu Beginn des Abends etwa krankt daran, dass sich Eric Weber parodistisch nicht überzeichnen lässt. Die Folge: Die Parodie ist harmloser als das Original.

Rahmenspiel «Nai, begrapsch es äntlig»: Die Baselbieter Braut will den Basler Prinzen nicht hören.Von den Rahmestiggli bieten einzig ein Stück über die Fusion beider Basel (der Basler Prinz will nicht begreifen, dass die Baselbieter Prinzessien ihn nicht will) und eine Balkan-Szene (pardon: Balkon-Szene natürlich) fasnächtlichen Biss.

Aber zu den Höhepunkten und davon hat auch das Drummeli 2015 einige zu bieten. Gleich die erste Clique des Abends, die Schnurebegge, bieten musikalisch Einmaliges: Verstärkt um die Musikgesellschaft Konkordia Reinach treten die Schnurebegge nämlich nicht nur mit Pfeifen und Trommeln an, sondern auch mit Fagott, Querflöte und Es-Horn. Die beiden Musikergruppen ergänzen sich trefflich und verwandeln die «Rossignol Surprise» aus der Feder von Michi Erni in ein die Fasnachtsgrenzen sprengendes musikalisches Abenteuer.

Auch die Seibi Jungi Garde überzeugt mit ihrem «Schwyzerreisli», einem lüpfigen Medley bekannter Melodien, von «Vo Schönebuech bis Ammel» über den «Berner-Marsch» und «Vogel-Lisi» bis zum «Sechseläutenmarsch» und dem unvermeidlichen «Z Basel an mym Rhy». Zu jedem Lied werden auf der riesigen Leinwand hinter den Musikanten die passenden Postkarten eingeblendet. Überhaupt nutzt das Drummeli 2015 die Leinwand intensiv. Immer wieder kommt es zu optischen Verlängerungen, Ergänzungen, ironischen Kommentaren und Überhöhungen über die Leinwand. Absolut genial in dieser Hinsicht ist der Auftritt der Alti Glaibasler: Der Auftritt beginnt mit einem Film. Die Probe im AGB-Keller ist zu Ende, die Musiker packen ihre Sachen und verlassen den Keller über die Treppe. Auf der Bühne wird der Keller fortgesetzt durch Stelen und Laternen. Dazwischen tauchen aus dem Halbdunkel rieisige Kellerasseln und Silberfische auf, die sich über die Reste hermachen, welche die AGB-Pfeifer hinterlassen haben. Da und dort schnappt sich eine Assel einen Abfalleimer, eine Flasche, eine Büchse. Die ersten Asseln beginnen, die Abfalleimer als Pauken zu benutzen, weitere Asseln stossen mit Perkussion durch Flaschen und Büchsen dazu, dann setzen die Pfeifer ein. Die Krabbeltiere klopfen und trommeln auf Tische und sicht gegenseitig auf die Panzer, da und dort sind Melodien zu hören, welche  die Tierchen wohl bei einer AGB-Probe auflgeschnappt haben. Sorgt am Drummeli 2015 mit gerappten Bängg für politischen Biss: Schnitzelbangg Dr Heiri.Bis plötzlich im Film die Hand der Putzfrau erscheint und den Lichtschalter drückt. Die Asseln und silberfischchen stieben auseinander, der Keller ist wieder verlassen. Genial.
Zu den Höhepunkten darf auch der erste Bangg gezählt werden: Dr Heiri überzeugt als rappender Bauer mit jammender Kuh und sorgt mit Versen voll beissendem Spott dafür, dass auch Drummeli 2015 einen Schuss politische Fasnacht bietet.

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