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2016 - «Drummeli» @ Basler Zeitung

Dienstag, 02 Februar 2016
Dominik Heit und Serkan Abrecht
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«Wir wollten einen neuen Weg gehen»

Verantwortliche des Drummeli waren von der Heftigkeit der Zuschauerreaktionen überrascht

Basel. Die Kritiken waren vernichtend. Unser langjähriger Drummeli-Rezensent -minu nahm kein Blatt vor den Mund und bezeichnete die Rahmestiggli bei allem Respekt vor den professionellen Schauspielern als «GGS - ganz grosse Saich». Das Onlineportal fasnacht.ch befand, der Regisseur sei im Drummeli nicht angekommen, «und die Texter sollten sich für einen Textauftrag am Alternativen Theater Berlin bewerben». Und die Basellandschaftliche Zeitung schrieb, dass das, «was im zeitgenössischen Theater durchaus ankommt, im Drummeli nicht funktioniert».

In der Kritik. Die Rahmestiggli kamen am Drummeli nicht gut an. Aus dem Publikum kamen Zwischenrufe. Foto: Dominik Plüss
In der Kritik. Die Rahmestiggli kamen am Drummeli nicht gut an. Aus dem Publikum kamen Zwischenrufe. Foto: Dominik Plüss

Was sagen die Drummeli-Verantwortlichen des Fasnachts-Comités dazu? Produzent André Schaad war sich bewusst, dass das Drummeli in der neuen Form provozieren würde: «Wir wollten kein Drummeli wie vor 10, 15 Jahren; wir wollten es gezielt in eine andere Richtung führen und standen von anfang an hinter dem Regisseur Laurent Gröflin.»

Mehr Toleranz erwartet

Doch die Heftigkeit der Zuschauerreaktionen überraschte. Vor allem habe ihn der Stil erstaunt - Zwischenrufe aus dem Publikum, Buh-Rufe gar. «Ich hätte mehr fasnächtliche Toleranz erwartet - und mehr Offenheit. Vielleicht hätte es einer Einführung bedurft, wie das auch im Theater Basel gemacht wird. Für uns ist das Drummeli mit seinen Rahmestiggli gelungen, aber wir haben es nicht geschafft, das Neue dem Premierenpublikum verständlich zu machen.» Im Übrigen betont er, dass das Publikum am Sonntag anders und mit etwas mehr Niveau reagiert habe.

Die Kritik, wonach die Rahmestiggli langatmig, pointenlos und langweilig seien, versucht Schaad so zu erklären: «Wir wollten bewusst das Tempo der Cliquenauftritte etwas brechen und etwas Ruhe hineinbringen; die Stiggli hatten wir uns als Wellenbrecher gedacht und sie bewusst in einer Länge bis zu zehn Minuten angelegt.» Man werde deshalb am diesjährigen Drummeli auch nicht rütteln. «Wir werden höchstens minime Kürzungen vornehmen und gewisse Zwischensequenzen streichen.»

Fasnachts-Comité-Obmann Christoph Bürgin lässt zwar den Kritikpunkt, die Stiggli seien zu lang, gelten, stärkt aber ansonsten André Schaad und Laurent Gröflin den Rücken: «Grundsätzlich stehe ich dahinter, da wir einen neuen Weg gehen wollten.» Erstaunt ist er über einzelne Reaktionen aus dem Publikum: «Ich finde es respektlos gegenüber den Schauspielerinnen und Schauspielern, die einen hervorragenden Job machen, wenn man nach vorne schreit.»

Für Regisseur Laurent Gröflin, der selber aktiv Fasnacht in einer Stammclique macht, kommt die Reaktion von Publikum und Medien nicht wirklich überraschend. «Ich rechnete mit zwiespältigen Kritiken. Ich bin ja nicht geholt worden, um etwas Altes, sondern um etwas Neues zu machen.» Allerdings finde er es unanständig, wenn Schauspieler von einzelnen Zuschauern ausgelacht werden. «Eine ernsthafte Auseinandersetzung darüber, was das Drummeli soll und was es nicht soll - das würde ich mir wünschen.»

Wieder ein wenig altmodischer

Die meisten Cliquen bekommen von den Publikumsreaktionen zu den Stiggli nichts mit. Dennoch konnten einige einen gewissen Eindruck gewinnen. Etwas enttäuscht von den Rahmestiggli zeigt sich Pascal Happle, Obmann der Muggedätscher. Er fände es begrüssenswert, wenn die Rahmestiggli wieder ein wenig «altmodischer» daherkämen. «Früher gab es auch Platz für Laienschauspieler - wie etwa das Bötschli. So etwas in dieser Richtung würde dem Drummeli sicherlich gut tun.» Er nimmt an, dass das Comité für das Drummeli 2017 vornehmen wird.

Auch Monique von Graffenried, Obfrau des Stamms der Verschnuuffer, geht davon aus, dass das Comité mit dem Regisseur Laurent Gröflin das Gespräch suchen werde. «Ein neuer Regisseur bringt immer neue Chancen, aber auch neue Risiken mit sich. Ich bin überzeugt, dass das Comité in aller üblichen Sorgfalt den Regisseur ausgesucht hat», meint von Graffenried. Es stelle sich jedoch die Frage, wie vertraut der Regisseur mit Vorfasnachtsveranstaltungen generell und konkret mit dem Drummeli bereits im Vorfeld war.

Martin Münch, Obmann der Rootsheere, kann die Rahmestiggli nicht beurteilen. Als Clique sei man jedoch sehr enttäuscht über die Art und Weise, wie vor allem die Obmänner in Bezug auf den Vorverkauf der Tickets angegangen worden seien. «Wir wurden vom Comité mehrfach sehr eindringlich darauf hingewiesen, ungedingt Tickes zu kaufen, und nun seien wir schuld daran, dass wir vor halbvollem Saal spielen werden.»

Dem allgemeinen Stimmungsbild bei den Cliquen schliessen sich auch die Basler Bebbi an. «Es hat sich während der Vorführung eine negative Stimmung im Saal entwickelt, wie sie an einem Drummeli wahrscheinlich noch nie dagewesen war», sagt Präsident Guy Macquat. «Die Stiggli waren auch wirklich jenseits von gut und böse.» Vorfasnachtsveranstaltungen hätten es ja generell immer sehr schwer, und beim diesjährigen Drummeli sei alles, was die ehemalige Regisseurin Bettina Dieterle in den letzten Jahren geschaffen habe, mit einem Hieb zerschlagen worden. «Es kann also schwer werden fürs Drummeli im nächsten Jahr.»

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