2020 - «Drummeli» @ Basellandschaftliche Zeitung

Montag, 17 Februar 2020
Dominique Spirgi
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Warum ist es am Rhein so schön? Drummeli feiert mit «Tour de Bâle» erneut Erfolg

Das Drummeli setzt nach der erfolgreichen Neuorientierung im vergangenen Jahr mit «Tour de Bâle» erneut auf einen inhaltlichen roten Faden – ein Konzept, das von den beteiligten Stammcliquen wiederum mit viel Kreativität und Witz umgesetzt wird.

Am Schluss war nicht ganz klar, ob der frenetische Applaus nun der gesamten Veranstaltung oder speziell dem rührend-komischen Auftritt des Dupf Club galt, der mit seinem «Lion King Medley» mit herrlich choreografierten Tierfiguren-Ballett das Publikum begeistert hatte. Wahrscheinlich wurde beides beklatscht, obwohl die besagte Schlussnummer mit ihrem musikalischen Ausflug in die afrikanische Steppe den inhaltlichen roten Faden etwas strapazierte und das Drummeli besonders bei den Raamestiggli durchaus einige Durchhänger aufwies.

Im vergangenen Jahr hatte die traditionelle Leistungsschau der Stammcliquen einen neuen Weg eingeschlagen und sich und den beteiligten Cliquen und Guggen mit dem Motto «5000 Jahre Fasnacht» ein einheitliches Inhaltsmotto auferlegt. Es war ein Experiment, das eingeschlagen, aber die Latte für die zweite Runde mit dem neuen Konzept entsprechend höher gelegt hatte.

Diese Latte wurde, um noch etwas im Sportjargon zu bleiben, bei der zweiten Ausgabe zuweilen touchiert. Dies besonders bei den Raamestiggli. Die Nummern der Redaktionssitzung bei «Tele banal» war so banal, wie im Titel angekündigt, und der Auftritt der drei Fäkalbakterien oder -amöben in der Kläranlage doch arg verschwurbelt.

Wenn Heino das schöne Basel besiegt

Es gibt aber auch durchaus gelungene Nummern zu sehen: Das eigenwillige Inszenierungskonzept des Zürcher Regisseurs am Theater Basel etwa, der alle Figuren einer geplanten Fasnachtsoper nackt auftreten lassen möchte. Oder die mit dem Gevatter Tod, der das Fasnachts-Comité bei seiner letzten Sitzung vor der Fasnacht heimsucht, aber unverrichteter Dinge aufgeben muss. Und dann gab es noch eine kleine Reminiszenz an die gute alte Balkonszene mit dem Schlagerungetüm Heino, der von der Balkonloge aus mit seinem «Warum ist es am Rhein so schön» das Motto des Abends herunterposaunte.

Höhepunkt war aber der Monolog des Bajass, der mit beissendem Ernst über das politische Weltklima herzog, um dann zum Schluss zu kommen, dass die ganz vehementen Probleme nicht im internationalen Rechtsrutsch oder in Bürgerkriegen, sondern im heimischen Parkplatzmangel und bei den Ladenöffnungszeiten liegen: «Denn grootet d Wält au us de Fuege, zerscht musch zue dir sälber luege», sein Fazit. Ein starkes Stück.

Etwas mehr politische Spitzen dieser Art hätte dem Rahmenprogramm gut getan. Dies machten die beiden Schnitzelbängg wett. Überzeugen konnten vor allem d Schlyffstai, die in ihren Langversen zu verschiedenen Gassenhauer-Melodien jeweils gleich mehrere ebenso witzige wie gescheite Pointen unterbrachten. Gelungen auch der Auftritt des Fäärimaa, der unter anderem die Ent-Wesselungskunst in der Basler Politik feierlich besang.

Nun aber zu den Cliquen und Guggen, welche ja die Hauptsache am Drummeli sind und auch für die wirklochen Höhepunkte sorgten. Alle 20 Auftritte hier zu beschreiben, würde den Rahmen sprengen. Zu sagen ist aber, dass es keine wirklichen Durchhänger gab, dass mindestens ganz ansprechend, zuweilen auch spitzenmässig getrommelt, gepfiffen und geblasen wurde und dass die jeweiligen Auftritte durchaus originell und kreativ daherkamen.

Auffallend war, dass viele Cliquen sich auf traditionelle Märsche zurückbesinnten: Die Naarebaschi bewiesen, dass ein die Neye Glaibasler so hervorragend getrommelt und gepfiffen ein musikalisches Ereignis ein kann. Die Aagfrässene erinnerten mit einem Arabi an die versehentlichen Bombardierungen von Basler Stadt- und Agglomerationsquartieren während des Zweiten Weltkriegs, die sie mit überraschenden Tempo-Variierungen untermalten. Sauber interpretiert kam auch das Nunnefirzli der Olymper daher. Ihr Auftritt als Prostituiertenmeute – der Marsch wurde zum «Nuttenfirzli» umgetauft, war entsprechend zotig, was aber auch für viele Lacher sorgte.

Mit einem Polizei-Döschwoo auf die Bühne

Origineller waren andere Nummern. Neben der bereits erwähnten des Dupf Club sei hier noch «Dr Gendarme vo Basel» der Optimischte erwähnt. Sie versetzten den irrwitzigen Polizeieinsatz von Louis de Funès Gendarmes von St. Tropez ins Elsass und liessen einen waschechten Polizei-Döschwoo auffahren.

Das Fazit: Das Drummeli hat 2019 mit seinem neuen Konzept einen guten Weg eingeschlagen, der sich auch 2020 bewährt hat. Gespannt warten wir alle auf die nächste Ausgabe. Aber zuerst mal ist nun nach dem ganzen Vorfasnachtsschwall zum Glück ganz bald die richtige Fasnacht an der Reihe.

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