2019 - «Drummeli» @ Vogel Gryff

Donnerstag, 28 Februar 2019
Rolf Zenklusen
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Wir ziehen den Hut vor dem Drummeli

Am Drummeli 2019 laufen die Cliquen zur Hochform auf. Die Zeitreise durch 5000 Jahre Fasnacht ist wunderbar gelungen.

Die Zeitreise beginnt mit den Schnooggekerzli in der Steinzeit, bevor die Basler Dybli, verkleidet als Nonnen und Mönche, im Münster das «Nunnefirzli » zum besten geben. Rasant dreht sich das Zeitrad am Drummeli. Der Schnitzelbangg Wanderratte singt Verse über die Pest, den schwarzen Tod; die Alte Glaibasler bauen 1225 die erste Brücke vom Gross ins Kleinbasel. Dann folgt das grosse Erdbeben von 1356, geschickt umgesetzt von der Guggenmusik Grunz Gaischter mit dem Stück «What I've Done» der Band Linkin Park.

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Eindrücklich. Die Basler Dybli spielen als Nonnen und Mönche das «Nunnefirzli». Fotos: lvo Birrer.

Barock mit goldenen Engeln

Wie die anderen Cliquen hatte auch die Spale eine wunderbare Idee: Als Hommage an die erste Messe 1471 hat die Clique das «Martinsglöggli» für Piccolo arrangiert. Zu Ehren kommen auch die Basler Zünfte, vertreten durch das Spiel der Safran-Zunft, sowie der Ratsherr Johann Rudolf Wettstein, dem - nomen est omen - von der Wettstai Clique mit dem Wettsteinmarsch gedacht wird. Die Rhyschnoogge widmen sich der Barockzeit inklusive goldene Engelchen, die Alti Richtig der Seidenbandindustrie. Ganz stark ist der Auftritt der Junteressli vom Binggis bis zum Stammmitglied thematisiert die Clique die Zeit Napoleons. Vor der Pause führt die J.B. Santihans das Publikum in die Zeit der industriellen Revolution, gefolgt von der Gundteli Clique, welche die Eröffnung des Centralbahnhofs zum Thema macht.

«S Maximum»

Das Publikum jubelt, pfeift begeistert, mehrmals ertönt der Ausruf: «Das isch s ·Maximum!». 190228 vogel gryff 03

Beifall brandet auch bei den Rahmestiggli auf: Die Pointen sitzen, das Ensemble mit Rula Badeen, Susanne Hueber, Andrea Bettini, Skelt!, Dominik Gysin, Lukas Kubik spielt hervorragend.

Papstbesuch. Während des Konzils von 1459 hat Papst Pius II., begleitet von einer Nonne, den Baslern die Universität zugesprochen. Dafür mussten die Gesandten (am Boden)den hohen Leuten aus Rom zu Kreuze kriechen.

Die Glunggi watscheln als Pinguine auf die Bühne: 1874 wurde der Zolli eröffnet. Und 1918 wehrten sich die Arbeiter für ihre Rechte, sehr gut umgesetzt von der Clique Alti Stainlemer. An die 20er-Jahre, als im Küchlin noch Stummfilme gezeigt wurden, erinnern sich wahrscheinlich die wenigsten. Die Guggenmusik Chaote lässt diese Zeit wieder aufleben.

Hühnerhaut bekommt der Zuschauer, als die VKB Fahnen mit Hakenkreuzen schwingt, Hitlerparolen verkündet - und dann, welch eine Freude, mit dem Marsch «z Basel a mym Rhy» die Befreiung der Fasnacht auslöst. D Spezi erweist den Gastabeitern die Referenz, und die Basler Rolli landen auf dem Mond. Die zwei Schnitzelbänggler der Stroossewischer werden auf dem Mond zurückgelassen urid funken vergeblich mit der Erde, bevor sie plötzlich in Woodstock wieder auftauchen - ein begeisternder Auftritt mit starken Versen.

Mit der Breo erlebt die Zuschauerin ein Revival der Ökobewegung, etwa unter dem Motto «Rettet din Erdbockkäfer», und die Rhygwäggi erinnern uns an die Zeit, als wir fleissig Gameboy spielten. Die Schnurebegge bereichern ihren Auftritt mit dem Rapper Fab und einem Graffitikünstler, bevor die Sans-Gene die Manie mit den sozialen Medien ausspielt.

190228 vogel gryff 02Schöner Rückblick. Die Gundeli Clique thematisiert die Eröffnung des Centralbahnhofs 1860 mit der «Dante Schuggi»

Das Drummeli 2019 ist eine geniale Leistungsschau der Cliquen, angereicht mit fantastischen Rahmestiggli und Schnitzelbängg. Der Ideenreichtum ist grossartig, nie kommt Langeweile auf. Hut ab vor allen Beteiligten!

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    Alle Rähme werden historisch hinterlegt. Da tritt Napoleon auf, Rudolf Wettstein, der Papst, ein Stadtschreiber oder dann aber Fasnächtler aus längst vergangenen Zeiten. Ein grosses Lob gehört der Abteilung «Maske»: D Goschdym, die Frisuren, die Larven – grosses Kino. Die Leistungen der Schauspieler ist, wie eigentlich immer, hervorragend! Die Texte sind eine witzige Mischung zwischen Historie und Gegenwart. Die Rahmenstücke sind lustig, satt und verständlich und zum Teil sehr gut (das Bibelzitate-Duell ist grandios). Regisseur Laurent Gröflin ist wohl endgültig angekommen. Er darf auf fantastisches Ensemble zurückgreifen, angeführt von den langjährigen Profis Susanne Hueber und Skelt!.

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    Am Drummeli hat es schon vieles gegeben. Aber das noch nie: Da wird für alle ein Leitthema vorgegeben – und alle machen mit!

    Die Idee: 5000 Jahre Weltgeschichte, aus dem Blickwinkel von Basel und seiner Fasnacht, sollen im Zeitraffer von den Cliquen, Guggen, Schnitzelbänken und Rahmestiggli auf die Bühne gebracht werden. Jede Gruppierung befasst sich mit einem Zeitabschnitt; das geht von der Steinzeit über das Mittelalter und die Zeit der Seidenbandindustrie bis hin zur Eisenbahn, zum Zweiten Weltkrieg und zur Pharmaindustrie.

    Kann das gut gehen? Es kann. Und wie! Was von ausnahmslos allen Gruppierungen an Ideenreichtum und musikalischer Qualität auf die Bühne des Musical-Theaters gebracht wird, ist schlicht grandios.

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